parvenu, Autor Helmut Englisch, ein Szintigramm der Einsamkeit, Buch-Neuerscheinung, Neuerscheinung

Parvenu


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Textauszug aus der Neuerscheinung „Parvenu-Ein Szintigramm der Einsamkeit“

Textauszug 6





Parvenu kannte dieses Spiel.
Er schaute zu, wie sich das Dunkel der Nacht langsam im Nichts auflöste und aus dem Schleier der Ungewissheit eine taufrische Landschaft aufblühte, die schüchtern und verstohlen durch das Fenster blickte und nun ungeduldig darauf wartete, einfach wahrgenommen zu werden.
So war es auch jetzt. Der Morgen, der schon lange das Bett verlassen hatte, dessen Ausläufer sich jedoch erst jetzt endgültig bis zu ihm hindurch gefragt hatten, buhlte um sein Interesse.
Die ersten wärmenden Sonnenstrahlen schlichen sich also fast aufdringlich durch die kleinen Ritzen im löchrigen Vorhang hinein ins Innere des Zimmers und malten fantasievoll bizarre und lustig wirkende Fragmente an die kalten und schmutzig aussehenden Wände. Diese Schatten, die als scheidende Boten der Dunkelheit ein atemberaubendes Spiel an Vielfalt und Fantasie boten, nährten die Vorstellung, dass hinter diesen filigranen Gestalten in ihrer leblosen und dennoch vielfältigen Art noch mehr zu vermuten sei und die Magie bot sich an, seine Fantasie zu beflügeln und sein Leben zu bereichern.
Parvenu kämpfte lustlos mit seiner Müdigkeit. Seine Arme hingen abgeschlafft herunter und sein ausgebrannter Körper war zur Zeit nur mit einer halb wachen Wahrnehmung ausgestattet.
Sein Motor war so mager eingestellt, dass er, wenn er denn überhaupt ansprang, über ein kraftloses Stottern nicht hinaus kam. Und die Zeit setzte Schranken, weil sie sich allein ob der Fülle, die es wahrzunehmen galt, erschrak. Und er selbst stocherte nur unwillig im Nebel seiner Beobachtungen herum, weil die Sinne eine gewisse Anlaufzeit brauchten, um sich noch weiter von dem unheilsamen Schock der Nacht zu erholen.
Und so fantasievoll und mystisch diese Schattenspiele auch waren, die strategische Macht der Gedanken, der konkret wahrgenommene Schmerz, das Zittern seines Körpers, würgten über kurz oder lang jede aufkeimende Bereitschaft ab, sich diesen sinnlichen Wahrnehmungen zu widmen.
Über dem Zimmer, das bei einem objektiven Betrachter einen unordentlichen und unaufgeräumt wirkenden Eindruck hinterließ, lag ein widerlich ätzender Geruch, der sich aus Essensresten, Urin und sonstigen undefinierbaren Geruchspartikeln zusammensetzte.
Der antiquiert wirkende Holztisch, dessen Intarsien unter einer dicken Staubschicht gerade noch zu erkennen waren und der Parvenu üblicherweise zur Ablage seiner Bücher und Zeitschriften diente, war überhäuft mit unappetitlichen und angeschimmelten Brotresten,................


"Parvenu - Ein Szintigramm der Einsamkeit" ISBN 978-3-941292-00-0 160 S.fest geb. € 14,90

Bestellung: buchhandel@marianne-englisch.eu
Website: www.buchhandel.marianne-englisch.eu



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"Aktualisiert am 18 Apr 2011"

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